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Gedenktage bedingen in sich selbst die Tätigkeit des Denkens. Nun liegt es in der menschlichen Eigenheit, dass jeder durch soziale, gesellschaftliche, familiäre, bildungsbedingte und sonstige soziologische Prägungen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt.

Der Sozialist, der heute vor den offiziellen Stelen des Erinnerns sein Haupt senkt, hat andere Gedanken als ich. Er gedenkt der Befreiung vom Nationalsozialismus. Da frage ich mich, wie ein Sozialist sich aus seiner eigenen Geschichte verabschiedet, praktisch die Seite wechselt und sich von seiner Ideologie selbst befreit? Ist doch der Sozialist als Vorkämpfer des Kommunismus immer der entschiedene Gegner der unveräußerliche individuellen Freiheitsrechte des Bürgers und der Existenz von privaten Eigentum. Sein Ziel sind gleichgeschaltete Massen der Internationale und das Volkseigentum.

Mir sind Diktaturen immer Zeichen für zuviel Staat. Ich als Freiheitlicher will immer den Staat auf das unbedingte notwendige reduzieren und die Individuelle Freiheit auf ein Maximum.

Dem Sozialisten ist es der Tag der Befreiung, dem Staatsbürger ist es zunächst der Tag der bedingungslosen Kapitulation. Dem Sozialisten ist es wichtig, hier ein Ende einer sozialistischen Diktatur zu sehen, von der er sich mit jedem Jahr der Geschichte mehr und mehr distanziert. So schafften es die Linken des Landes, die DDR als Heimstatt des kommunistischen Widerstandes zu manifestieren, während die Nationalsozialisten grundsätzlich in der BRD wohnhaft waren. Ein tolle Leistung der Propaganda – bis heute.

Während in meinem Gedenken die DDR die nächste linke Diktatur auf deutschen Boden entfaltete, gestaltete man in den Westzone mit dem Grundgesetz der zukünftigen Bundesrepublik den Neubeginn einer gesellschaftlichen Entwicklung, welche das beste Ergebnis einer nachhaltigen und tiefgreifenden gesamtgesellschaftlichen Bewusstseinsänderung war und bis heute ist.

Demzufolge ist mein wichtigster Gedenktag der 20. Juli und die Helden des bürgerlichen Widerstandes.

Der Sozialist denkt bei Widerstand sicher an seine in Moskau ausgebildeten Kader und Funktionäre. Die bestimmten später die Geschicke im Vasallenstaat, während zuvor deutsche Kommunisten wie Ernst Thälmann im Zuchthaus hingerichtet wurden.

Gedenken muss man den Millionen Toten, die als Zeichen nicht funktionierender Demokratien, die als Zeichen der Macht von Ideologien und Propaganda für die Machtstaaten der damaligen Zeit ihr Leben geben mussten.

Dass der Krieg vielleicht sogar zu verhindern gewesen wäre, warum die anderen Machtblöcke erst dem Tun zu sahen und viel zu spät eingriffen, wo der Völkerbund war in jener Zeit, warum dieser Krieg von allen Seiten nicht an den Ländergrenzen halt machte – Fragen über Fragen, die bis heute nicht abschließend beurteilt wurden.

Ich weiß nicht, ob das Gedenken der Sozialisten auch die Opfer von neuer Macht und Willkür berührt. Die Rheinwiesen, die politischen Gefangenen, die politischen Opfer danach, die Vertreibungen.

Traurig ist für mich an diesem Tag, dass wir noch immer keine Friedensverträge haben. Ob diese völkerrechtlich notwendig sind oder nicht, aber nach der Wiedervereinigung 1990 hätte man diese Verträge als symbolische Zeichen der gesamtdeutschen Rückkehr in die Völkergemeinschaft abschließen und das Grundgesetz in eine vom Volk frei gewählte Verfassung wandeln müssen.

Aber so denkt halt jeder etwas anders. Für mich bedeutet Zukunft, dass wir mit dem Gelernten gestalten wollen, der Blick geht nach vorn.

Zumindest nehme ich mir die Freiheit und gedenke nicht mit den SED-Nachfolgern und den mit ihnen in Koalition befindlichen Parteien gemeinsam.

Ihr Jörg Prophet